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Da lasse ich mich doch glatt von diesem Hecki zu einem weiteren Bericht hinreissen. Zugegeben, geschrieben hab ich ihn schon vor längerem, aber jetzt geht er doch noch online. Die Tour wurde im März 2017 durchgeführt, optimale Bedingungen. Für Nachahmer gibts weitere Tipps ganz am Schluss...

Gemma aufn Ätna?“ hat die Claudia um Weihnachten herum in den Raum geworfen. Die Idee habe ich spontan als „voi genial“ empfunden und schwupps, war auch schon der Flug gebucht. Nach einigen organisatorischen Hürden (wie Ausfall von Eva durch Skiverletzung und der von der Airline stornierte Flug der aus Wien anreisenden Gruppe) fanden wir uns allerdings statt zu siebt dann erstmal zu dritt in Palermo ein.

Nach einer Sightseeing Tour mit Frühlingstemperaturen (natürlich lassen wir uns eine Bergbesteigung auf den Rocca Cefalù dabei nicht nehmen) checken wir in unser Apartment in Piedimonte Etneo ein. Die Wiener Gruppe sollte dann ebenfalls am Abend auftauchen und wir verabreden uns für morgen. Zum gemeinsamen Akklimatisieren an das sizilianische Frühlingswetter wollen wir erst mal einen schönen Traillauf auf das sizilianische Matterhorn starten, müssen aber erkennen, dass die Temperaturen irgendwie nach Winter schreien. 3°C ist in meiner Welt NICHT Frühling und so beschließen wir, aus diesen wolkenverhangenen Bergen zu fliehen und uns in Taormina weiter dem Sightseeing zu widmen. Taormina ist übrigens immer einen Besuch wert und auch Trailrunner können mit dem bergigen Dörfchen voll auf ihre Kosten kommen.


Skitour Ätna, warum eigentlich nicht?

Unser eigentliches Ziel ist aber der Ätna. Gemütlich finden wir uns dann tags darauf um 8.00 beim Skigebiet Etna Nord Piano Provenzana ein (beim obersten Parkplatz beim Schlepplift, Parken kostet 3 Euro). Wir sind positiv überrascht von der Größe des Skigebiets, auch wenn es hauptsächlich aus Schleppliften besteht. Doch schon die Anfahrt durch erstarrte, bizzare Lavagesteinsformationen und der aschefarbene Schnee sind einfach zu grotesk. Dazu noch ein Blick aufs Meer, wo hat man das schon?

Achja, der Ätna ist Anfang März ausgebrochen. Na gut, das ist nicht ungewöhnlich, Mamma Ätna zeigt ja ohnehin sehr rege Aktivität. Doch Lava spukt sie dann doch nicht immer, daher: Obacht. Wir haben jetzt mindestens 1 Woche lang im 6h Takt die Webcams gecheckt, auch die Thermokameras kann man prüfen, die Messdaten der Vulkanologen sind öffentlich abrufbar. Safety First und so. Doch wir wollen ja zum Nordostkrater, aktiv war und ist ja zur Zeit nur der Südostkrater.
Von der obersten Bergstation queren nun also relativ flach nach Südwest, bis wir schon den Krater rauchen sehen. Der Aufstieg zum Krater Nordost ist sehr eisig, also wird es Zeit für die Harscheisen.

Die Bindung mag nicht und Philip lernt Mono-Ski

Philip klagt über die Bindung. Ich bekomme zuerst gar nicht mit, was das Problem ist, da ich schon ein paar Meter weiter bin, doch bald stellt sich heraus: Der Philip hat ein paar Schrauben locker. Also nicht er, sondern der Vorderbacken. Und zwar nicht nur ein paar, sondern alle. Also alle die noch da sind, denn 2 von den fünf Schrauberl, welche die Speed Turn noch am Ski halten, sind schon mal futsch. Mit Fluchen und einem Taschenmesser werden die verbleibenden Schrauben wieder angeschraubt. Retrospektiv waren wohl die Harscheisen schuld, dass es so kommen musste, wie es kam: die Bindung fällt nämlich nach ein paar weiteren Schritten regelrecht vom Ski. Tja... Philip stapft die letzten Meter zu Fuß, auch den finalen Gipfelhang zum Kraterrand macht er zu Fuß. Ob des abartigen Eises keine gemütliche Sache.
Auch Andi kämpft. Er hat sich (wie alle 3 der Wiener Freunde), im Gegensatz zu uns die Ski in Sizilien ausgeborgt. Eine gute Sache an sich, denn das Material ist super. Super Ski, super Bindungen. Nur die Felle sind ein Käse. Das Ding hält einfach nicht, der Spanner fällt dauernd runter, der rechte Ski zum bergaufgehen nicht mehr zu gebrauchen. Andi müht sich ab und schlussendlich kommt der verhexte Ski auf den Rucksack, weiter gehts einskiig mit einem Harscheisen. Was für eine komische Truppe, denken sich die Italiener ziemlich sicher.








Tanz auf dem Vulkan!

Am Kraterrand ist alles kurz vergessen! Für uns ein neues Erlebnis! Auf einem aktiven Vulkan zu stehen! Ein rauchender Schlot mit gigantischem Ausmaß tut sich vor uns auf, in der Ferne speit sein Zwilling flüssiges Erdgestein. Wir vermuten Schwefelgeruch und Hitze. Doch wir sind natürlich genau richtig mit dem Wind gegangen, sodass wir den Dämpfen ausweichen können und am Gipfel hat sich der Wind zu einem Orkan gemausert und pustet mit aller Kraft die Schwefeldämpfe von uns weg. Eine gute Sache ist das. Allerdings pustet er mich fast mit, also lieber rasch die Felle von den Ski und runter!
So schnell und unsauber habe ich übrigens noch nie im Leben abgefellt. Mir ist einfach nur saukalt. Philip friert ebenfalls, hat jedoch von Alex die Primaloft zum Überziehen bekommen. Dafür zittert dieser schon, sodass Alex und ich beschließen, schon mal abzufahren. Philip muss sowieso zu Fuß herunter. Claudia, Andi und Mike folgen knapp danach. In einer windstillen Mulde haben wir Philips Ski deponiert, versuchen mit aller Kraft noch irgendwie die Bindung an den Ski zu pappen. Null Chance. Die Schrauben drehen durch und das Leukotape löst sich quasi fast schon vom schief anschauen. Nach dem ersten Schwung liegt der Vorderbacken wieder neben dem Ski. Scheisse. Wie da jetzt runter? Zu Fuß 1500hm bei Eis und (teilweise) Pulverschnee? Na grandios!

Alex hat die Härte weg: „Ja fahrst halt auf am Ski, is eh net so schwa!“ und erntet damit ein „bist deppad, des geht nie!“ von Philip. Aber was soll’s – probieren kann mans ja. Den unbrauchbaren Ski packen wir dem Alex hinten drauf, der Philip hat schon genug mit dem Gleichgewicht zu kämpfen. Generell hat Philip, ob dieser etwas präkeren Situation heute ziemlich die Ruhe weg. Nach ein paar unschönenen „fast-Stürzen“ hat er ziemlich schnell den Bogen raus. Das sieht fast kinderleicht aus. Ich hab schon Leute auf zwei Ski weit schlechter abfahren sehen, als ihn auf nur einem Ski. Wir navigieren über endlose Weiten und traumhafte Hänge (aber bitte sagts das dem Philip nicht, es war nämli echt geil zum fahren!) kommen wir wieder in Richtung Skigebiet.




Auch während unserer Abfahrt treffen wir noch viele Skitourengeher im Aufstieg. Die Bergführer mit ihren Kunden waren ja eher (für italienische Verhältnisse) früher dran. Auf den weiten Hängen des Ätna sind nicht nur Skitourengeher unterwegs, auch Kite-Skier tummeln sich da und nutzen die Orkanböen für kunstvolle Sprünge.

Ein Carving-Traum!

Grundsätzlich kann man sich am Ätna nicht grob falsch verhauen, solange das Gelände fahrbar ist, kommt man schon nach unten: keine krassen Abbrüche, keine Steilflanken, alles flach soweit das Auge reicht. Aber es sieht halt auch alles komplett gleich aus, soweiter das Auge reicht. Lavagestein, Ascheschnee.
Weite. Einfach schön! Ein Traum für Feinde des dichten Waldbewuchses. Einen kleinen Krater passieren wir in der Abfahrt, dann erblicke ich wieder eine Felsformation, die wir schon im Aufstieg gesehen haben. Auch der Schlepplift rückt ins Sichtfeld. Perfekt! Endlich Piste, denke ich mir, denn für Philip mit seinem Mono-Ski, ist die Piste sicher leichter zu fahren als das Gelände.
Und kaum sind wir auf der (wirklich schön präparierten) Piste gehts ab wie ein Pitschipfeil. Der fährt da runter, niemand hätte bemerkt, dass er nur einen Ski hat. Nur ein bisserl verdutzt schauen alle den Alex an. Wieso hat der einen einzelnen Ski auf dem Rucksack hängen?
Die Abfahrt bis zum Parkplatz ist ein Genuß! Bei der Talstation freuen wir uns auf das wohlverdiente Tourenbier! Leider haben Claudia, Mike und Andy keine Zeit mehr, die müssen weiter, weil ihr Flug ja übermorgen wieder von Palermo geht und sie sich noch die Erkundung der Nordküste vorgenommen haben.
Also trinken wir unser Bierchen zu dritt in der Sonne, während wir Pläne für den nächsten Tag schmieden. Abenteuerwanderung mit Sightseeing (Nekropole Pantalica) steht auf dem Programm. Sizilien ist wirklich vielfältig und allemal eine Reise wert!



Kurzabriss der Fakten:

Generelle Infos zum Ätna Park findet man hier: http://www.parks.it/parco.etna/Epar.php

Möchte nur noch hervorheben, dass es laut einer Verordnung offiziell nicht gestattet ist, den Vulkan ohne Bergführer oberhalb der gelben Zone auf 2800m zu begehen. Allerdings ist die Verordnung gut versteckt im Internet (natürlich nur auf Italienisch zu finden) und vor Ort sind keinerlei Hinweise angebracht. Technisch ist der Berg nicht schwierig, sofern man sich mit den Gegebenheiten vor dem Aufstieg ordentlich auseinandersetzt, sollte auch keine große Gefahr drohen. Ein paar Tage nach unserer Besteigung, ist eine Gruppe auf der Südseite durch eine phreatischen Explosion verletzt worden (darunter auch Vulkanologen bei Forschungsarbeiten). Man sollte beachten, dass selbst für geschultes Personal der Ätna oft nicht bis ins Detail vorhersehbar ist und sich dessen bei einer Besteigung in jedem Fall bewusst sein.

Es gibt auch einige sehr gute Webcams, die für die Tourenplanung von Vorteil sind. Vulkanaktivität kann man hier gut beobachten: http://www.ct.ingv.it/it/webcam-etna.html.
Gletscher hat der Ätna keinen, einzige Gefahr ist, dass der Schnee von heißen Gasen von unten angeschmolzen wird und sich deswegen "Spalten" oder Löcher unterhalb der Schneedecke bilden können. Oder dass es zum Kontakt von Lava mit Schnee kommt, was zu oben genannten phreatischen Explosionen führen kann.

Material:
Ski haben wir selber mitgenommen, Flug mit Alitalia, Skitransport problemlos möglich (ging sogar als Freigepäck durch).
Ski vor Ort auszuleihen ist allerdings auch kein Problem, haben unsere drei Freunde gemacht: einfach anrufen bei Etna Nord Skiverleih und Schuh hinbringen: Bindung wird eingestellt und alles ist dann am Vorabend bis 20.00 abholbar. Super Ski (Fischer Ski mit Marker Kingpin oder Dynafit Bindung), super Qualität: Preis 35 Euro. Man kann auch die Schuhe ausborgen. Harscheisen gibts auch dazu.