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Dolomiten - Weltkulturerbe und eine Region mit Geschichte

Eine Reise in die Dolomiten ist auch eine Reise in die Geschichte des 1. Weltkriegs, genauer gesagt in jene des Gebirgskriegs 1915-1918. Dem lässt sich auch in der großen Höhe der Marmolada nicht entgehen, mit 3343m der höchste Berg der Dolomiten. Denn am mittlerweile einzigen Gletscher der Dolomiten, dem Ghiacciaio della Marmolada, befand sich damals eine gewaltige Stellung der Österreich-Ungarischen Armee, wegen ihrer geradezu absurden Größe und Komplexität auch Eisstadt genannt. Jedenfalls bis zum Dezember 1916, als am White Friday eine gewaltige Nasschnee-Lawine mehrere Hundert Kaiserschützen im ewigen Eis begrub. Überhaupt verlief entlang der Marmolada einer der höchstgelegenen Abschnitte der Frontlinie und noch heute kommt man bei einer Besteigung der Marmolada an Stellungen und Überresten des Gebirgskriegs vorbei. Im Tal am Passo Fedaia lässt sich dieser Geschichte auch in einem Museum des 1. Weltkriegs nachfühlen, das wir im Anschluss an unsere Bergtour auch besucht haben.

Klettersteige in den Dolomiten - eine alte Tradition


Abgesehen von den gemauerten Zeitzeugen des Gebirgskriegs wartet die Marmolada noch mit einer weiteren Besonderheit auf: Entlang des Westgrats, den wir für den Aufstieg gewählt haben, führt einer der ältesten Klettersteige der Dolomiten überhaupt, und zwar der bereits 1903 eingerichtete Hans-Seyffert-Weg (C). In Kombination mit dem Normalweg als Abstiegsvariante ergibt sich damit nämlich eine schöne Runde.
Unser Aufstieg beginnt zunächst etwas unglücklich, denn zum einen ziehen bereits am Rifugio Pian dei Fiacconi die ersten Wolken auf, obwohl der Wetterbericht einen schönen, stabilen Tag gemeldet hat. Außerdem sind wir am Beginn etwas unaufmerksam und versäumen die Abzweigung zum Westgrat, was uns etwa 250Hm und eine Dreiviertelstunde kostet. Aber dann kommen wir endlich in Fahrt und wir kommen gut voran.



Eis und Schnee im Marmolada - Klettersteig

Beim Einstieg des Klettersteigs wird uns klar, dass der Anstieg heute etwas hochalpinen Charakter haben wird, denn es sind am Grat einige Schneefelder zu queren und dort und da ist das Seil unterm Schnee begraben. Während man im Hoch bzw. Spätsommer hier wohl auch ganz gut mit Laufschuhen vorankommt, sind wir heute über Pickel und Steigeisen recht froh, aber es ist ja auch erst Ende Juni nach einem verspäteten und schneereichen Winter. Ein entgegenkommender Bergführer fragt uns überhaupt, ob wir eh auch ein Seil mitführen zum Sichern der kritischen Bereiche im Aufstieg, aber ganz so wild wirds dann doch nicht bei uns - unser Seil kommt erst am Gletscher beim Abstieg zum Einsatz. Um etwa halb eins und damit etwa 3 Stunden seit dem Refugio erreichen wir den Gipfel, der sich mittlerweile ziemlich in Wolken gehüllt hat. Einige Sonnenfenster gibt er aber doch immer wieder frei und trotz des Wetters ist es unerwartet warm, denn selbst am Gipfel bin ich noch kurzärmlig unterwegs.


Ein Bier am Rifugio Capanna di Ghiacciao

Wir nützen gleich eins der weiteren Sonnenfenster für den Abstieg - längst sind wir aber nicht die letzten in Richtung Marmolada, denn es kommen uns noch zwei weitere Gruppen entgegen. Der Normalweg wartet auch noch mal mit einer kurzen gesicherten Passage auf, bevor es relativ steil über den spaltigen Gletscher hinab geht. Daher gehts für uns am Seil weiter, angesichts einiger Spalten nahe der Spur bereue ich das Seilgewicht nicht. Am Rifugio wieder angekommen begegnet uns nun emsiges Treiben, denn offenbar ist der ulkige spartanische Korblift auch bei Touristen recht beliebt, angesichts des vergleichsweise geringen Preises von 6€ für eine einfache Fahrt eigentlich eh nicht so überraschend. Wir gönnen uns noch ein isotonisches Hopfengetränk - stil- und ortsgerecht ein Forst Bier - und steigen dann wieder zum Stausee am Passo Fedaia ab.

Am Gipfel
Abstieg über den versicherten Steig
Am Gletscher

Langkofel

Rückblick zur Marmolada

Piz Boe



Auf den Spuren des Ersten Weltkrieges werden wir uns auch Tags darauf weiter bewegen:


Ein Krieg der 30 Monate in den Bergen toben sollte...
Immer verschanzt, mit Blick auf den gegenüberliegenden Berg
Blick aus einer österreichischen Stellung


Facts zur Tour:

Start: Lago di Fédaia
Ziel: Marmolada (3343m)
Höhendifferenz: ca. 1400hm (mit Korblift 800Hm)
Distanz: 10.5km

GPS Track: