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2 Sekunden.
Das ist etwa die Zeit, die dir bleibt, wenn du einen Absturz kommen siehst. Diese zwei Sekunden sind vergangen zwischen dem Lösen des linken Steigeisens beim Markus und seinem Abrutschen in der Rinne, die wir gerade hochgestiegen sind.

Es war die Rinne, die den Blaueisgletscher mit der Blaueisscharte verbindet. Es handelt sich um Mixed-Kletterei, die bei passenden Bedingungen I-II nicht überschreitet - wenn man Pech hat wie wir an diesem Tag, kommt man aber auch schnell in den III. Grad. Eigentlich ist Pech für diesen Tag aber gar nicht zutreffend, denn der Markus hat großes Glück: Sein Sturz endet glimpflich genau auf der Schneebrücke über die Randkluft - die Brücke ist kaum größer als er selbst, aber es reicht um zu verhindern, dass er im ewigen Eis verschwindet.

Die Steigeisen gibt es noch heute, nur die Bergschuhe sind jetzt andere, und zwar solche, die auch wirklich zu den Eisen passen.

Zustieg zur Blaueishütte

Blaueisgletscher, Randkluft und eine Affenhitze

Heute, etwa 3 Jahre später, komme ich also nochmal aufs Blaueis, um die Tour von damals zu beenden - wenn auch nicht mit dem Markus, sondern diesmal mit der Dani. Wir flüchten heute vor der Hitze aufs Eis, denn in Salzburg sollen die Temperaturen auf 33 Grad steigen.
Tatsächlich erleben wir es ziemlich frisch am Blaueis, und das obwohl wir gar nicht mal so früh dran sind. Um etwas nach 10 Uhr erreichen wir die Randkluft - recht viel später würd ichs übrigens nicht empfehlen, denn jetzt Anfang Juli bekommt das Blaueis um die Zeit schon etwas Sonne ab.


Der Blaueisgletscher
Erste Kletterei über den Felsriegel...
Weiter am oberen Teil des Gletschers

Ab hier wird's steil
Die Randkluft
Umgehung der Randkluft

Die Randkluft ist bei uns offen, was wir dank Hütten-Homepage und Tourenpost vom Moritz schon gewusst haben. "Die Randkluft ziemlich heikel", schreibt der Moritz in seinem Post und damit hat er wohl recht: Wenn sie mal offen ist, kommt es wirklich auf die individuellen Bedingungen an. Das Abschmelzen um einen Meter kann hier schnell mal einen ganzen Klettergrad beim Überstieg ausmachen.

In unserem Fall würd ich schätzen, dass wir etwas über dem II. Grad liegen, zumindest kurz.
Die restliche Rinne bis zur Scharte läuft dafür heute umso problemloser - zwar gibts am Anfang noch etwas Schneekontakt, weshalb wir fast durchgehend die Steigeisen tragen. Aber dank des Fixseils (derzeit in recht passablem Zustand) geht das ganz gut, und so stehen wir überraschend schnell auf der Scharte, die ich 3 Jahre zuvor einige Meter über mich gesehen habe.


Auf einem schmalen Schneeband wird die Stelle überwunden
Und dann sind wir in der Rinne

 

Von der Blaueisscharte zum Hochkalter

Ab der Scharte wird aus der Mixed-Kletterei leichtes Block- und Wandklettern, der II. Grad wird dabei kaum noch erreicht. Heute am 10. Juli haben wir den Vorteil, dass wir den Rest zum Gipfel komplett schneefrei vorfinden - im Frühsommer ist zwar die Randkluft geschlossen oder eventuell einfacher zu überwinden, daher wird man hier mit Schneeresten zu rechnen haben. Am Gipfel erreicht uns schließlich mit voller Gewalt die Sommerhitze des heutigen Tages, das kühle Blaueis ist nun leider einige hundert Meter unter uns.


In der Scharte
Der Weg zum Gipfel ist ab hier nicht schwer...
... die Wegfindung ist denkbar einfach.

Andere Gipfelaspiranten werfen uns etwas verwunderte Blicke zu - die Kombination aus Pickel und Laufschuhen verwirrt zu Recht. Denn wir haben uns entschlossen, neben steigeisenfesten Bergschuhen auch Laufschuhe für den Zustieg zum Gletscher und den Abstieg vom Gipfel mitzunehmen. Angesichts der Temperatur empfinde ich das jetzt als hervorragende Idee. Der Abstieg über den Schönen Fleck ist mittlerweile komplett schneefrei, sodass wir schnell wieder die Blaueishütte erreichen - wen die Zeiten etwas interessieren: 10 Uhr Blaueis, 12:30 Uhr Gipfel, 14:45 Uhr Blaueishütte.
Eigentlich wäre es uns in der Affenhitze bei der Blaueishütte viel zu heiß, aber da wir hier noch Christoph und Astrid treffen, trotzen wir mit einem kühlen Bier der südwestseitigen Terrasse mit ihren viel zu wenig Schirmen. Schatten gibts dafür noch im Abstieg bei der Schärtenalm - die Kuchen dort sind übrigens schwer zu empfehlen!

Der Nase nach, dem Weg des geringsten Widerstands
In den Bergen ist Freiheit.
Ausblick zur Schönfeldspitze


Das Blaueis - der nördlichste und zugleich niedrigst gelegene Gletscher der Alpen


Erstbestiegen wurde der Kalter übers Blaueis von Prof. Richter und seinem Führer Kederbach im Jahre 1874, damals noch 50-100m höher als heute. Der gesamte Gipfelaufbau ist 1908 nämlich mit mächtigem Getöse ins Tal gerauscht. 230000 Kubikmeter Fels stürzten ins Tal und lösten in der Ramsau ein Erdbeben aus. Vermessen wurde das Blaueis übrigens seit 1889. Den Gletscherrückgang und auch sein Wachstum sind ganz wunderbar auf folgenden Grafiken zu sehen: KLICK




Fakten zur Tour:

Start: Parkplatz Blaueishütte
Ziel: Hochkalter 2481m
Differenz: 1800hm
Distanz: ca. 15,5km