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FACTS zur Tour:
Start in Soilach, beim Wanderparkplatz
Distanz: 30km
Höhenunterschied ca. 1600hm
Gipfel: Laubenstein, Abereck, Heuraffelkopf, Predigtstuhl, Klausenberg, Feichteck, Karkopf, Hochries
Zufahrt mit dem Mountainbike bis zum Raddepot beim Taferlbaum
GPS Track HIER

Jo wir sand mim Radl do!
Anders wär sich die Tour heute wohl auch nicht mehr ausgegangen. Mit dem Radl haben wir ordentlich Zeit gut gemacht bis zum Taferlbaum, wo wir die Radl unter ein Gebüsch schubsen und uns zu Fuß auf in die Schneeschlacht machen. Mit zu viel Schnee haben wir erst auch nicht gerechnet, weshalb wir mit Laufschuhen unterwegs sind. Verschnupft und die Reste einer Erkältung ausbadend (die erste, aber nicht die letzte diesen Winter!) ist die Radanreise  zum Depot ziemlich ätzend. Keuchend und fluchend und mit etwas Bammel vor der noch kommenden Abfahrt über die schnee- und eisbedeckten Wegerl findet die Tour ihren Start.
Der Laubenstein (1350m) ist ja noch schnell erklommen, hier finden sich übrigens für Höhlenforscher unzählige Höhlen, spektakuläre noch dazu! Also unbedingt mal rein schauen, in die Hochries! ;)

Vom Laubenstein zum Chiemsee




Kampenwand

Laubensteinalm

Das unscheinbare Abereck wird förmlich überrannt, der Heuraffelkopf (1505m) gibt sich dafür wieder etwas zickiger. Irgendwie verpeilen wir die Direttissima im Abstieg retour auf den markierten Weg zu finden, daher folgen wir einfach unseren Spurem im Schnee wieder retour.
Macht aber nix, der Heuraffelkopf ist zwar unscheinbar, der Ausblick aber ganz nett.


Am Heuraffelkopf

Heuraffelkopf

Der weitere Weg führt uns durch noch mehr Schnee und ist meist schattig. Brr.. angesichts der Schneemenge könnte man meinen, im Chiemgau hätt's ein bisserl mehr an weißem Gold, als bei uns drüben im Osten. Aber wahrscheinlich haben wir einfach nur die falsche Wegwahl getroffen?
Oder ist's die falsche Schuhwahl? Nie und nimmer, denn wir haben unser Ziel hoch gesteckt: bis zum Wechsel auf die Ski, muss es mit Laufschuhen gehen. Darum wühlen wir uns diesen Winter auch über sämtliche "Wanderberge" anstatt zähe, fordernde und nach Steigeisen und Pickel rufende Winterbesteigungen auf höheren Bergen durchzuführen (was wir selbst eigentlich von uns erwartet hätten). Der höheren Sinn sich mit Laufschuhen durch den Schnee zu wühlen?
Zum einen: Gamaschen testen und zum anderen: endlich Bergerl kennenlernen, die wir im Sommer aufgrund der "Unschwierigkeit" (vulgo markierter und überlaufener Wanderwege) oder ihrer mangelnden Höhe ohnehin nie besuchen würden.
Nicht das man uns hier falsch versteht: wir mögen markierte Wanderwege. Sie sind eine tolle Sache, doch in den Sommermonaten wird man uns auf ihnen eher weniger häufig finden und noch seltener findet man uns dort, wo eine Bahn rauffährt. Daher ist die Hochries für uns bisher auch Neuland.


Doch es gibt so viel zu entdecken hier im Hochriesgebiet. Man muss dazu nur auf der anderen Seite des Kammes stehen und die Seilbahn ignorieren.
Probierts mal aus!
Da gibts zum einen die verlassene Klausenhütte. Vom Heuraffelkopf laufen wir über Predigtstuhl (1495m) und Klausenberg (1584m) und landen dann direkt bei der Hütte.
Die Klausenhütte liegt schon in Tirol, seit 2007 ist sie geschlossen, da die den vorgeschriebenen Standards nicht mehr genügte. Urban Exploring am Berg!
Spannend ist es mitanzusehen, wie schnell der Verfall alter Gebäude vor sich geht und wie klein der Mensch in Anbetracht der Naturgewalten ist. Wielange wird sie wohl noch stehen, die Klausenhütte?


Vorhänge im Wind


Dann steigen wir durch den Klausner Wald in den Graben hinab zur Lahnalm. Etwas weiter oberhalb liegt die Unterwiesenalm. Sie ist ein beliebtes Ziel für Mountainbiker.
Zudem ist sie der nördlichste teilweise bewohnte Ort in Tirol. So weit kommen wir heute allerdings nicht, denn wir kürzen über die Kuhwiese ab und gelangen auf die Forststraße in Richtung Feichteck (1514m). Vom Feichteck gelangen wir dann weiter zum Karkopf (1496m), der sogar mit einer kurzweiligen Kletterpassage aufwartet (Achtung, unmarkierter Steig).

Blick zurück nach Norden, im Hintergrund unser erster Gipfel

Blick nach Süden (Tirol)


Feichteck

Aufstieg Karkopf

Vom Karkopf ist es nur noch ein Hüpfer auf die Hochries, wo schon ein eisiger Wind weht. Unsere Hoffnung, die Radl noch im letzten Licht des Tage zu erreichen, schwindet etwas. Aber wir bleiben trotzdem kurz stehen und tanken die grandiose Lichtstimmung.
Immer noch quälen sich ein paar Paragleiter, den Schirm endlich in die Höhe zu bringen. Der Hüttenwirt schüttelt den Kopf und zieht sich wieder in seine warme Stube zurück.

Die Hütte gibt es schon lange. Erst wurde sie als einfache Skihütte erbaut: im Jahre 1913 von der Sektion Rosenheim.
Nach einer größeren Umbaumaßnahme 1933 wurde die Hütte von Georg und Ursula Seebacher bis 1968 ganzjährig bewirtschaftet. Versorgt wurde die Hütte mit Esel, selbstständigem Tragen der Vorräte und später mit Kettengrad, bis der Wirt in den Kriegsjahren eigens eine Materialseilbahn über den Nordhang hinauf baute. Seit 1973 gibt es dann die Hochriesbahn, die die Materialversorgung sowie den Personentransport zur Hütte übernimmt.
Aktuell wird die Hütte gerade wieder umgebaut, ab 18.Feb.2016 gehts wieder los.



Wir lassen das Hochrieshaus hinter und uns laufen über die Riesenalm retour zu unseren Rädern. Gerade noch im letzten Licht sausen wir zu Tal. Das Fahren auf Schnee ist übrigens gar nicht so wild, das Eis im unteren Wegteil war dann etwas anspruchsvoller. ;)