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Faszination Kanada - unsere Erfahrungen, Eindrücke und Erinnerungen hat Philip in einem ersten kleinen Bericht zusammengefasst.

Die Kanadier: offen, freundlich, zugänglich.
In all meiner Reiseerfahrung habe ich bisher kein Land erlebt, in dem man Fremden so herzlich und zuvorkommend begegnet. Selbst am letzten Urlaubstag hat mich die Herzenswärme und Freundlichkeit der Kanadier noch manchmal überrascht. Jeder Mitarbeiter in einem Supermarkt bietet sofort Hilfe an, wenn man nur ein fragendes Gesicht zeigt, die Ranger bleiben stehen und informieren umfangreich über Flora und Fauna des Parkgeländes, in jedem Geschäft wird man mit einem warmen Lächeln begrüßt.
Die ruhige, entspannte und positive Art der Kanadier wirkt sich auch aufs Autofahren aus: Auf den Highways geht es gemütlich zu - allzu schnell fahren kann man angesichts der Geschwindigkeitsbeschränkungen sowieso nicht, ein Hupen gibts selbst auf den quirligen Straßen von Calgary kaum und wer den Blinker zum Abbiegen setzt, wird meist gleich bereitwillig auf die andere Seite gelassen.
Ich sags ganz offen: Ich hab mich in keinem anderen Land so willkommen gefühlt.




Essen & Lebensmittel: sehr hochwertig und qualitativ, wenn man möchte.
Als Europäer hat man diverse Vorurteile, wenn man das erste Mal an den nordamerikanischen Kontinent reist. Geprägt von Filmen und Literatur, habe ich mir hier fettiges, ungesundes Essen in rauen Mengen erwartet. Das lässt sich hier auch durchaus finden, an allen Ecken. Zugleich findet man aber in jedem Supermarkt auch sehr hochqualitative Lebensmittel: Obst und Gemüse, das in regelmäßigen Intervallen mit Wassersprenklern möglichst frisch gehalten wird, Vollkorn-Toasts und Mehrkorn-Bagels, ausgezeichneten kolumbianischen Kaffee zum selber Mahlen und hochwertige Bio-Hummus-Aufstriche. Billig kommt man mit diesen Lebensmitteln natürlich nicht weg - ein Einkauf für uns beide, für 2 bis 3 Tage etwa, war dann selten unter 80$ drin. Dafür gabs saftige Pfirsiche, knackige Karotten und frischen Salat, der sich selbst bei den teilweise ungewöhnlich hohen Temperaturen, die wir hier erlebt haben, erstaunlich lange gehalten hat.


Essen im "The truffled pig" - Field

Kurz gesagt, wer bereit ist, fürs Essen etwas mehr zu investieren, wird hier sehr hohe Qualität finden - das Gleiche gilt natürlich für Restaurants. Gerade als Kontrast zum Camping-Essen haben wir uns einige Male ein Dinner hier gegönnt - und jeder Restaurantbesuch war eigentlich ein kulinarisches Erlebnis!
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die kanadischen Restaurants gerade mit ihrem sehr engagierten und besorgten Service punkten - wenn man als Österreicher die klassischen griesgrämigen Kaffeehauskellner gewöhnt ist, erlebt man hier eine ganz andere Welt.
Freilich, billig ist diese Art des Essens nicht: Ein typisches Dinner hat für uns beide etwa 100-120$ gekostet. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis hat jedes Mal gestimmt. Und wie gesagt, man bekommt auch für 10$ einen Burger mit dem Kaloriengehalt eines ganzen Tagesbedarfs, den Zucker vom zugehörigen Milkshake noch gar nicht eingerechnet.


Lunch im "Block" Banff


Unterkünfte in den Nationalparks
Eine teure Angelegenheit, vor allem in der Hochsaison (Juli bis September) und vor allem in den Touristenhochburgen Banff und Jasper. Dort ist uns während unseres Urlaubs nie ein Doppelzimmer unter 200$ untergekommen. Etwas billiger kommt man in den diversen Privatunterkünften weg, dort bekommt man mit etwas Glück auch ein Zimmer für 100-120$. Die sind allerdings etwas komplizierter zu buchen, da die wenigsten davon eine Webpräsenz bieten und auf eine Auflistung unter booking.com darf man hier sowieso nicht hoffen. Der Kontakt läuft also per Mail oder Telefon, was sich eben etwas umständlich gestaltet, wenn man sich erst durch 10 solcher Anbieter durchfragen muss (denn auch die sind heiß begehrt und schnell vergriffen). Ohne kanadisches Handy und mit nur gelegentlichem Internetzugang war das für uns etwas problematisch.

Hostels ermöglichen auch noch eine preisgünstige Übernachtungsalternative (wobei man hier in Banff auch nicht unter 70$ wegkommt), die aber für uns weniger attraktiv war als unser eigenes Zelt. Wenn uns also mal nach einigen Zeltnächten der Sinn nach einem komfortablen Bett stand, haben wir im nächsten Cafe die App von booking.com nach Unterkünften am Rand der Nationalparks befragt: Dort sinken die Preise gleich mal auf 100$ pro Nacht im 3-Sterne-Doppelzimmer, Steuern in der Regel nicht inbegriffen. Apropos Steuern: Die sind bei den meisten Käufen nicht enthalten, auch im Supermarkt nicht. Das bedarf gerade anfangs etwas Gewöhnungszeit, da man zunächst alle Preise etwas unterschätzt (9-13% machen die Steuern aus).


Lodge in Radium Hot Springs

Gute Anlaufstellen für preisgünstige Übernachtungsalternativen zu Banff & Co waren bei uns Radium Hot Springs (wegen der dortigen heißen Quellen übrigens ideal für einen verregneten Tag), Valemount und Hinton. Canmore am East Entrance zum Banff NP ist hingegen etwa gleich teuer wie Banff selbst. Trotz der zusätzlichen Fahrkosten - es geht in der Regel um etwa 1 Stunde Fahrzeit pro Richtung - kommt man auf diese Weise wesentlich billiger weg und erhält oft sogar mehr Komfort. Besonders zu empfehlen sind übrigens die B&B-Pensionen, in denen man auf klassisch kanadische Art sehr herzlich empfangen und persönlich betreut wird - oft hat man hier auch eine Chance auf ein exzellentes Frühstück im starken Kontrast zu den in Hotels üblichen, widerlichen Continental Breakfasts.

Kreditkarten, Kaffee und sonstige Eigenheiten
Wie in den USA ist die Kreditkarte in Kanada ein Alltagsbegleiter. Ohne eine solche macht man sich das Leben hier schwer, v.a. wenns um die Buchung von Hotelzimmer geht. Man muss zwar nicht, kann aber alles bis zum Coffee-to-go mit der Karte zahlen, was hier auch üblich ist.

Apropos Kaffee: Ebenso wie in den USA gibts den in Massen, vor allem den "american coffee", also den einfachen Filterkaffee mit vernachlässigbarem Koffeingehalt. Was diesem Kaffee an Koffein fehlt, lässt sich aber durch eine entsprechende Menge davon ausgleichen, denn in der Regel gibts kostenlosen "refill", d.h. beliebiges Nachfüllen.
Welche kulinarischen Sonderbarkeiten erwarten den Europäer noch? Ob hochwertige Lebensmittel oder nicht - mit den Milchprodukten wird man hier meist nicht glücklich. Abgesehen von Cheddar ist Käse schwer zu bekommen und/oder unverhältnismäßig teuer. Unsere Versuche mit Feta und Tzatziki waren alle unbefriedigend. Joghurts haben wir von unserer Einkaufsliste gestrichen und anstelle der ungewohnt künstlichen, stets fettreduzierten Kuhmilch in unhandlichen 5l-Kanistern gabs bei uns Mandelmilch (die wiederum wie alles "healthy food" ausgezeichnet war).

Ebenfalls im ersten Moment ungewohnt: Zwar bekommt man in den riesigen Supermärkten wie Walmart, Safeway (übrigens die etwas hochwertigere Walmart-Konkurrenz) alles von Aspirin über Camping-Kocher zu Fernsehern, aber jeglichen Alkohol sucht man vergeblich. Hier herrscht die gleiche seltsame Doppelmoral wie in den USA - man trinkt zwar ebenso freudig wie in anderen Ländern, aber man gibt es nicht offen zu und kauft daher den Alkohol in verstohlenen braunen Tüten im gegenüberliegenden Liquor Store. Teurer ist der Alkohol zudem auch als bei uns: gutes Bier kann schon mal 6-7$ pro Flasche kosten, während die man die günstigeren Six Cans für 9-10$ erhält. Wie beim Essen allgemein zeigt sich übrigens auch hier: Es gibt auch in Kanada ausgezeichnetes Bier, nur billig ist es nicht.

Mosquitos:
Sie sind überall. Sie sind hungrig. Sie sind lästig.
Mosquito-Spray mit Deet hilft zwar, hindert die Viecher aber nicht durch Kleidung zu stechen. Da man nicht jeden qmm Haut einsprühen kann, hilft also nur: deal with it.
Man gewöhnt sich auch an die lästigen Biester, in einigen Gebieten hilft gerade am Abend allerdings nur noch die Flucht ins Zelt/Auto/Zimmer.
Hitze mögen die Mosquitos nicht, daher sind heiße Juni- oder Julitage in Punkto Mosquitoprävention die perfekte Reisezeit. Am Abend, wenn es kühler wird, müsst ihr aber leider in den sauren Apfel beißen.
Mehr zum Thema Mosquitos, Camping und Nachttemperaturen gibt es bald in weiteren Blogartikeln.