Hauptinhalt des Blogs

Blogartikel

Artikelinhalt

Die Dani versinkt momentan in Arbeit und manchmal verzichte ich momentan auch auf Bergaktivitäten, um meine Dissertation etwas stärker voranzubringen. Das geht leicht, wenn das Wetter eh nicht allzu überzeugend ist - bei einem strahlend schönen Tag wie heute verliere ich allerdings den Kampf mit dem inneren Schweinehund. Daher diesmal in etwas anderer Konstellation, und zwar mit Jan und Verena, nämlich nach Obertauern zum Freeriden.

Noch im Herbst hab ich im Gespräch mit den Beiden festgestellt, dass mir Freeriden angesichts der immer üppigeren Preise für Tagespässe in größeren Skigebieten zu teuer sei - und sowieso ist mir als Alpinist mit Herz der Gedanke an Aufstiege mit Liftunterstützung etwas suspekt. Außerdem bin ich ein ruhiger Mensch, der Idylle und Abgeschiedenheit in den Bergen sehr schätzt - der faschingshafte Trubel in Skigebieten liegt mir da ganz und gar nicht.

Nun ja, am Trubel kann man nichts ändern, auch an den exorbitant teuren Liftkarten nicht, aber trotzdem konnte ich beim Freeride-Kurs des Lawinenkolloquium am Kitzsteinhorn einen Reiz entdecken: Das Fahren an sich kommt ja bei einer Skitour in der Regel viel zu kurz. Dabei würds aber soviel Spaß machen, im Pulverstaub weiß verzierte Hänge runter zu jagen! Zur reinen Gaudi am Fahren kommt auch ein Lernfaktor: Technisch anspruchsvolle Skitouren verlangen ja oft sehr gute Abfahrtskünste, aber durch Skitouren allein verbessern sich diese nur recht langsam. Der Freeride-Tag am Kitz hat allerdings merkbar positive Spuren an meinen Fahrkenntnissen hinterlassen.

Als wir heute das erste Mal mit dem Lift hochfahren, bin ich zunächst etwas überrascht: Meine letzte aktive Zeit in Skigebieten ist ja bald zehn Jahre her und damals war ich hauptsächlich in kleinen, "unmodischen" Skigebieten unterwegs. Damals haben sich nur vereinzelt Skifahrer ins Gelände vorgewagt, vorwiegend junge Leute oder solche mit Skitouren-Erfahrung. Hier in Obertauern scheint das Geländefahren - pardon, Freeriden eigentlich - stark in Mode zu sein. Es ist noch nicht mal zehn, doch überall ziehen sich bereits Spuren durch die Hänge abseits der Pisten, und dabei hats gestern noch geschneit.

Egal, es gibt trotzdem noch genug unverspurte "Lines" - ich gewöhn mich ja erst langsam an die moderne Freeride-Terminologie ;-)
Vor allem, wenn man sich kurze Anstiege auf die umliegenden Gipfel antut, wird man mit Einsamkeit und jungfräulichem Pulver belohnt. Neben Seekareck und Seekarspitz bietet sich da auch der Hundskogel an - mit 20 bis 30 Minuten Aufstieg mit den Ski am Rücken sind die vertretbar rasch erreicht. Das sind aber nur einige der hier möglichen Freeride-Routen, bergfex.at bietet hier noch viel mehr (http://www.bergfex.at/sommer/obertauern/touren/freeride/23506,/).

Der erste Schritt zum Freerider ist weniger die farbenprächtige Montur oder die breiten Ski - ernsthaftes Freeriden bedeutet zunächst, sich mit dem Thema Sicherheit intensiv auseinander zu setzen. Nach Meinung von Klaus Wagenbichler, seines Zeichens Stellvertreter der Landesleitung der Salzburger Bergrettung und unser Gruppenleiter beim Seminar Lawinenprävention letzten Samstag in Saalfelden, sind Freerider beim Thema Lawinensicherheit in der Regel wesentlich kundiger und auch besser ausgerüstet als Skitourengeher. Die Lawinenausrüstung ist ein Teil des Styles bei Freeridern und das ist auch gut so, denn beim Freeriden ist man der Lawinengefahr wesentlich immanenter ausgesetzt als bei Skitouren - schließlich ist man ständig im Abfahrtsmodus und fährt meist Routen, die man nicht schon im Aufstieg näher analysieren konnte.

Mag bei Skitouren ein Lawinenairbag noch in manchen Fällen Diskussionsthema sein - sinnvoll ist er auch hier immer, aber bei sicherer Lawinenlage und wenig steilen Hängen ist er eher Bonus als Muss - beim Freeriden gibts keine Überlegung mehr. Wie schnell beim Freeriden aus der Gefahr Realität wird, zeigt sich uns auch heute: Vier Schneebretter gehen an diesem Tag in Obertauern ab, und bei einem davon konnten wir den folgenden Bergrettungseinsatz (zum Glück ohne Verschüttung) live aus der Ferne miterleben.

Ein weiteres Mal muss ich an diesem Tag an Klaus Wagenbichler denken, nämlich an seine Worte, dass der Lawinenlagebericht immer als Durchschnitt für eine ganze Gebirgsregion zu verstehen ist. Für Obertauern würde dieser heute Lawinenstufe 2 definieren. Nachdem wir allerdings gesehen haben, in welchem Gelände manche dieser Schneebretter abgegangen sind und wir selber auf Tuchfühlung mit der Schneedecke gegangen sind, spricht unsere persönliche Einschätzung eher für Lawinenstufe 3 - das heißt hier, lokal im Skigebiet Obertauern. Klaus Wagenbichler hat immer wieder betont, wie wichtig die lokale Einschätzung ist, das Schauen, Spüren und in Zusammenhang bringen mit der eigenen Erfahrung. Das ist nicht einfach, denn zumindest die Erfahrung kommt halt erst mit der Zeit, aber ich weiß, was er meint.

Fazit des Tages: Freeriden macht Spaß, auch mir als Alpinist und Skitouren-Fan. Man lernt viel, über Fahrtechnik, aber auch über das Verhalten der Schneedecke und die immer präsente Lawinengefahr. Und bei so herrlichen Powder-Bedingungen wie jetzt kommt der Fahrspaß bei jeder Skitour einfach zu kurz - und das, obwohl es eh viel zu selten im Jahr mal wirklich "Powder-Alarm" bei uns gibt ;-)

Anstieg aufs Seekareck.

Und hier zum Hundskogel...

... der am Ende auch mal kurz zupacken verlangt ;-)

Dafür freut man sich hier bereits...

... über herrliche unverspurte Hänge.

Teils etwas windgepresst, aber meist schöner Pulver.

Da staubts natürlich immer wieder :D

Freiheit spüren bei der NW-Abfahrt vom Seekareck.


Ausblick nach Westen vom Seekareck.