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Winter, wo bist du?

Wir haben fast Dezember, aber die Temperaturen der letzten Wochen haben irgendwie gar nichts mit Winter zu tun. Abhängig von der Exposition kommt man in manchen Regionen immer noch weiter über 2000m ohne merkbaren Schneekontakt hoch. Daher bleiben wir noch im Kletter- und Wandermodus und lassen die Tourenski erst mal im Keller warten - mit erheblichem Fahraufwand und/oder Seilbahnunterstützung mag zwar die eine oder andere Skitour im Süden möglich sein, aber Klettern und Bergtouren sind ja nicht weniger reizvoll.


Zellerführe auf das Wagendrischelhorn

Schon seit zwei Jahren habe ich die Zellerführe auf der Tourenliste, ein alter, klassischer Anstieg im III. Grad aufs Wagendrischelhorn auf der Reiteralm - eigentlich seit ich damals mit meinem Studienkollegen, Freund und ersten Bergkollegen in Salzburg, dem Markus, Ende November die Runde Böslsteig-Wagendrischelhorn-Stadelhorn-Schaflsteig absolviert habe. Schon bei dieser, wegen des Neuschnees etwas abenteuerlichen Tour, haben mich die schroffen Horngestalten der Reiteralm fasziniert und mir klar gemacht, dass mich diese brüchige, etwas Dolomiten-artige und sehr einsame Felslandschaft wiedersehen wird. Und wie es der Zufall will, besteigen wir nun, fast genau zwei Jahre später, in ähnlicher Konstellation nochmal das Wagendrischelhorn, dieses Mal noch unterstützt von meiner besseren Hälfte. Dabei ist die Tour in dieser Form ganz spontan entstanden, denn der endgültige Plan samt Gruppenaufstellung stand erst um 22:00 Uhr des Vorabends fix.


Start über den Loferersteig

Um kurz nach 8:00 Uhr starten wir beim Parkplatz des Gasthaus Obermayrberg und wandern erst mal gemächlich die Forststraße entlang. Bei der Jagdhütte Daxstein wechseln wir dann auf den Loferer Steig, um den Aufstieg etwas zu beschleunigen, passieren die Jagdhütte Hochgscheid und erreichen um kurz nach halb zehn den Hochgscheid-Sattel. Hier begegnen uns zwei Wanderer, die sich gerade auf den Abstieg machen - eventuell sind sie umgekehrt und bald sehen wir den Grund dafür. Denn natürlich gibts ab dieser Höhe die einen oder anderen Schneereste, das kommt nicht unerwartet. Was mich aber aus dem Konzept bringt, ist die Konsistenz des Schnees: steinhartes Eis, selbst bei vorhandenen Spuren kaum ohne Hilfsmittel zu begehen. Bis zum Einstieg der Zellerführe fehlt eigentlich nicht mehr viel, aber die Schneefelder lassen die Distanz nun unendlich erscheinen.


Unser Feind Nr. 1: der Zustieg

Den ersten Schneefeldern weichen wir aus, was in brüchigem Schrofen- und Schottergelände nicht immer einfach ist. Eines der letzten Schneefelder vor dem Einstieg lässt sich dann aber nicht mehr umgehen. Nach kurzer Beratung entscheiden wir uns fürs Weitergehen und steigen zu einer Stelle ab, wo wir nur wenige Meter queren müssen - mit ordentlichem Körpereinsatz schaffen wir es dann doch, brauchbare Stufen anzubringen und somit wird die kurze Querung vertretbar. Kurz darauf - eine gute Stunde ist nochmal seit dem Sattel vergangen - stehen wir dann am Einstieg unserer Route. Mit den Beschreibungen von alpintouren.com sowie stein-und-schnee.de war der Einstieg problemlos zu identifizieren und auch der weitere Verlauf der Route ergibt sich ohne Orientierungsschwierigkeiten. Zu unserer Überraschung finden sich nämlich einige brandneue Schlaghaken sowie frische Bandschlingen, die zu einer schönen Markierung der Tour führen.

Was für eine Traumroute!

In genussvoller Kletterei gehts das markante Band hoch - zwar ist der Fels stellenweise recht brüchig, aber an den signifikanten Stellen ist er verlässlich. Steinmänner erleichtern zusätzlich die Orientierung und ermöglichen auch im leichten Gelände ein flüssiges Vorankommen ohne Wegfindungsspekulationen. Bald erreichen wir die Zeller Eishöhle, wo wir uns in ein leider recht nasses Wandbuch eintragen - seit 2012 gabs vor uns nur 2 Begehungen!

Anschließend gelangen wir nochmal in Schneekontakt, aber mittlerweile ist der Schnee durch die Sonneneinwirkung weich geworden und lässt sich problemlos begehen. Nach einer weiteren Rampe gelangen wir in eine Mulde, die laut Beschreibung zu queren wäre. Da sich dort aber einiges an Schnee gesammelt hat, entscheide ich mich für eine Variante und steige rechts über eine Gratrippe hoch, die sich weiter oben wieder an unsere Route anschließt. Nun gehts direttissima auf eine markante V-förmige Einschartung über uns zu, die über einige Steilaufschwünge und schließlich einen engen Spalt zu erreichen ist. Auch hier gehen die Schwierigkeiten nicht über eine kurze III- hinaus und bieten schöne Kletterei. An der Scharte endet die eigentliche Klettertour und von dort erreichen wir unschwierig in knapp 10min den Gipfel.

Kurz nach 13:00 Uhr ist es nun und wir gönnen uns erst mal eine Pause. Anschließend steigen wir über den Mayrbergschartensteig (B) wieder ab - auch hier einige wenige Schneereste, die aber nun keine Probleme mehr bereiten. Entlang des Aufstiegswegs gehts dann gemütlich zurück und mit etwas Trödelei erreichen wir um kurz vor halb fünf das Auto.


Fazit:


Lohnende Kletterwanderung mit Einsamkeitsgarantie. Der "Ramsauer Dolomit" am Wagendrischelhorn mag wegen seiner Brüchigkeit nicht jedermanns Sache sein, ist aber meines Erachtens bei dieser Tour sehr gut zu handeln. Für uns bleibt die Lektion, dass auch kleine Schneereste durchaus ernstzunehmen sind, wenn die Verhältnisse entsprechend gegen einen spielen - Grödel hätten uns hier das Leben wesentlich erleichtert.

Den Track zur Tour gibts HIER

Weitere Infos:

Pickelharte Schneefelder, die wir nach dem ersten Schneefeld umgehen.

Hier am Einstieg, die Rampe neben dem Wasserstreifen wird hochgegangen.

Am Einstieg - bis zur Zellerhöhle immer wieder nagelneue Schlaghaken.

Einfach mal Aussicht genießen ;-)

Die Rampe führt direkt zur Zellerhöhle.

In der Südwand liegt wenig Schnee, nur einzelne Flecken sind anzutreffen.

Der bauchige Felsen am abdrängenden Band.

Hier noch einmal das sich verengende Band.

Oben in der Rinne geht es weiter.

In der Rinne wird der Schnee einfach linker Hand überklettert ;-)

In der Rinne, die zum Ausstieg führt.

Tiieeef Luft einholen... - oder einfach daneben hoch ;-)

Vor dem Spalt muss man hier hinauf...

... was von oben so aussieht ...

Nach dem Ausstieg geht es in Gehgelände bis zum Gipfel des Wagendrischlhorns.

1. Advent auch am Wagendrischlhorn.

Schneeflecken auf der Nordseite beim Abstieg.

Ein Blick zum Hochkaltermassiv.

Der Klettersteig wird abgeklettert, hier ebenfalls nur wenig Schneekontakt.

Die Schneefelder sind nun aufgefirnt und problemlos zu passieren.

Jagdhütte Hochgscheid.

Die Wand im Überblick, Mitte links die Zellerhöhle.