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Um die Ostwand des Watzmann ranken sich Mythen und Horrorgeschichten, berühmt als die längste Wand der Ostalpen, bescherte sie doch immerhin seit ihrer Erstdurchsteigung 1881 mehr als 100 Bergsteigerleben ein frühzeitiges Ende. Gedenktafeln mahnen am Fuße der 1800m hohen Wand zur Vorsicht: "Wenn es mit mir zu Ende geht, ich fürchte nicht den Tod, den Herben. Doch Herr erhöhr' mein Bittgebet und lass mich in den Bergen sterben". 

Diesen traurigen Worten wollen wir uns nicht anschließen und bereiten uns auf unsere Durchsteigung gut vor.
Mit einem gut organisierten  und ausgerüsteten Team, wo jeder im Geiste schon mit der Route vertraut ist, dem Ostwandführer von Franz Rasp, dem Topo von Bergsteigen.com und einigen Bildern von Schüsselstellen und potentiellen "Verhauern" machen wir uns auf den Weg ins Ostwandlager.

Watzmann Ostwand im Überblick


Während Verena und Jan noch schnell die Wildpopulation in Bartholomä etwas dezimieren und sich das Wildragout im Gasthof schmecken lassen (Achtung: letzte Bestellung um 17:30) und Iris und Martin noch die Bootsfahrt genießen, machen sich Philip und ich auf zur Ostwand. Unsere Mission heute lautet: Zustieg und Berchtesgadener Weg erkunden, damit es bei potentiellem Nebel und Dunkelheit morgen einen reibungslosen Start geben kann.
Den Zustieg absolvieren wir statt der angeschriebenen 1:15h in 30 Minuten, da wir auf jedigliches Gepäck verzichten. Die Eiskapelle befinden wir als besonders eindrucksvoll und links von ihr können wir schon den Zustieg auf dem Grasrücken erkennen.
Auch der 1. Sporn und 2. Sporn, sowie die Wasserfallwand lassen sich nun ausmachen und wir sind zuversichtlich, was die Wegfindung angeht. Wir sollten Recht behalten.

Die Route scheint logisch

Ostwandlager

Doch zuvor dürfen wir noch eine Nacht im Ostwandlager verbringen. Verena und Jan haben das Séparée für uns erkämpft, einen kleinen Raum mit 11 Schlafplätzen im hinteren Teil des Lagers. Die Betten sind neu, die Matratzen auch und wir dürfen zu Sechst hier Platz finden.
Außer uns sind noch andere Gruppen unterwegs: 3 Burschen, 2 Mädels,  ein Einzelgänger, ein Bergführer mit 2 Kunden und ein Bergführer mit einem Kunden.
Bis auf die letztgenannte Gruppe (die schon um 3 Uhr Nachts gestartet ist) sollten wir am Tag darauf alle einholen und mit den beiden Mädels und dem Einzelgänger fast zeitgleich den Gipfel erreichen.
Beim Fischer gibt es für uns, entgegen der Tipps von ClimbandHike kein Bier, dafür erbarmt sich die Wirtin vom Gasthof und bringt uns noch eine Kiste mit 5 Weizerl. Wir sind zuversichtlich und entspannt, und machen uns bald auf ins Lager. Zähneputzen bei fließend Wasser, sowie eine Toilette gibt es im Haus neben dem Ostwandlager.

Am nächsten Morgen starten wir um ca. 4:30 vom Ostwandlager in Richtung Eiskapelle. Der Zustieg ist kein Problem und rasch schrauben wir uns hoch zum Schuttkar. Einzige Gefahr sich hier zu verkoffern ist, nach der Rinne nicht rechts zu gehen. Pfadspuren sind aber erkennbar. Der Einzelgänger hat hier auf uns gewartet und schließt sich uns an.
Wir haben ja auch ganz offensichtlich ein Seil für Notfälle dabei, welches aber während der gesamten Tour nicht zum Einsatz kommen sollte. Dennoch legen wir im Schuttkar die Gurte an, um im Notfall sicherungsbereit zu sein.


Zustieg im Morgengrauen.


Morgenstimmung am Königssee
Beim Schuttkar beleuchtet die Sonne dann auch schon die Gipfelwand, die Route ist nun besser zu sehen und wir marschieren los.
Am Weg zum ersten Sporn geht dann auch die Sonne vollends auf und wir kommen zügig voran zum 2. Sporn (rechts vom Schuttkar zuerst über Geröll und dann über griffige Platten - einige Bohrhaken erleichtern die Wegfindung). Hier geht es immer an der rechten Wand entlang und bald erreicht man auch schon die Wasserfallplatte (dunkle Platte, wo deutlich Stände gebohrt sind, Ringhaken, Bohrhaken). 



Am Weg vom ersten Sporn zum Wasserfallwandl



Schlüsselstelle Nummer 1

Bei der Wasserfallwand dürfen wir kurz warten, ein Bergführer sichert seine Kunden über die Platte. Dann können wir schnell überholen, klettern die IIIer Platte hoch und halten uns dann scharf rechts und steigen über Stufen weiter hinauf.


Oben angekommen queren wir etwas nach rechts weiter und folgen den Pfadspuren auf einen Absatz.
Nun gibt es zwei Varianten, entweder ganz links an den 2 Höhlen vorbei oder etwas weiter rechts nach oben klettern.
Martin und die 2 Mädels landen weiter rechts, wir halten uns ganz links an der Wand.
So oder so erreicht man über IIer Gelände die Gipfelschlucht.

Blick unterhalb der 2 Höhlen nach rechts.




Auf dem Weg zum unteren Ausläufer der Gipfelschlucht (ca. 1980m)
Vom Schneefeld am unteren Ende der Gipfelschlucht zuerst nach rechts steigen und dann links unter dem Felswandl vorbei. Dann nach rechts aufsteigen.

In der Gipfelschlucht sind wir dann teilweise eher rechts gegangen (Steinmänner) , Jan und Philip sind weiter gerade hinauf, das Gelände ist nicht schwer und man kann sich seinen Weg gut suchen.
Immer wieder leicht rechts haltend steigen wir an und können hier auch einige Steinmänner und fallweise grüne Punkte (ganz klein) entdecken. Dann erreicht man die Dabelsteinplatte und der Blick zur Biwakschachtel wird frei.
Kurz vor der Biwakschachtel
  

Biwakschachtel und Ausstiegskamine 

Nach einer ausgedehnten Pause an der Biwakschachtel folgen wir leichten Steigspuren von der Schachtel weg nach rechts oben und queren aber sofort (ca. 70m später) in die Rinne links von uns. Die Rinne ist brüchig und wenn man Adleraugen besitzt kann man auch bald kleine grüne Markierungen entdecken (sieht aus wie Patzer mit Nagellack).
Wir folgen also nun den Ausstiegskaminen (oft um III) weiter nach oben. Verlaufen ist hier eigentlich ausgeschlossen. Bald gelangen wir auf einen schuttigen Absatz und dann kann auch schon die Schlüsselstelle in Angriff genommen werden.
Das 8m Wandl ist weder ausgesetzt noch besonders schwer (III+), wer sich dennoch unsicher fühlt kann entweder sichern (Ringhaken in der Stelle bzw. Ringhaken am Ausstieg vorhanden) oder die zusätzliche Schlinge, die in der Stelle hängt verwenden, dann sollte sich die Schwierigkeit auf III oder weniger reduzieren.



Martin in der Schlüsselstelle


Philip nach dem Wandl (Schlinge ist sichtbar)


 Am Gipfel machen wir noch einmal Jausenpause und erfreuen uns an unserer Tour. Wir haben 6:18h insgesamt gebraucht, kein einziger Verpatzer war dabei. Wir sind fast irgendwie etwas enttäuscht, der Mythos Ostwand erscheint uns etwas zu hoch gegriffen, so wirklich schwer fanden wir die Wegfindung nämlich gar nicht. Allerdings waren wir auch tiptop vorbereitet und dank den unendlichen Weiten des Internets ist heute ja Bildmaterial in Hülle und Fülle vorhanden, was die Vorbereitung natürlich wesentlich erleichtert.

Als nächsten Plan haben wir schon den Salzburger Weg ins Auge gefasst, aufgrund der spärlicheren Info dazu, wird sich zeigen, wie sich hier die Watzmann Ostwand präsentiert...





Doch dieses Ziel rück mal etwas weiter unten auf die Tourenliste, denn zuerst wollen wir ja noch heil von der Mittelspitze hinunter kommen. Der Grat ist unser Ziel, denn wir wollen über das Watzmannhaus und die Kührointalm absteigen, wo wir auch noch einkehren wollen.


Wolkenspiele am Grat



Abstieg und Gewitter

Der Weg zur Kührointalm zieht sich massiv, der Durst und Hunger ist groß und wie wir die Alm verlassen um den letzten Hatscher zum Königssee anzutreten, kommt ein Wolkenbruch, der sich gewaschen hat. Auf der Forststraße war dies zwar nicht mehr so wild, aber nass sind wir trotzdem geworden. Und wir waren uns einig: wenn so ein Wascher dich in der Ostwand erwischt, dann prost Mahlzeit...

Fazit und FACTS: eine lange und lohnende Tour, insgesamt haben wir ca. 2400m im Auf- und Abstieg hinter uns gelassen.
Die Schwierigkeit bewegt sich größtenteils zwischen Gehgelände und mehreren Stellen II-III. Die Wandhöhe beträgt 1800m,die Kletterlänge 3km, man muss also im besten Fall mit 6h Gehzeit rechnen.
Versichert ist nur teilweise beim ersten Sporn, bei der Wasserfallwand, einzelne Normalhaken in den Ausstiegskaminen und bei der Schlüsselstelle ist ein Standplatz am Ausstieg möglich, ebenso ist in der Schlüsselstelle ein Ringhaken zum clippen. Die Wegfindung stellt wohl die Krux der ganzen Tour dar, daher waren wir wie gesagt sehr gut vorbereitet.
Mein Dank gilt noch einmal der gesamten Crew, es hat einfach von Bartholomä bis auf den Gipfel extrem super gepasst. Wir waren uns auch Gottseidank immer einig in der Wegfindung, diskutiert wurde de facto nie, dafür war der Schmäh umso mehr am Laufen und somit bleibt nur zu sagen: "Hoffentlich bald wieder!" ;)

Mehr Touren um den Königssee findet ihr hier:

 - Watzmann über Wiederroute

- St. Bartholomä über Rinnkendlsteig

- Kahlersberg über Seeleinsee und retour über die Gotzenalm

- Der Grünstein Klettersteig

 - Schützensteig am Jenner (Familienklettersteig)

- Hohes Brett über Brettgabel

- Sommer Sonne Sonnenschein (IV, Klettertour)

- Jägerlatein (V, Klettertour)